Prämien-Schock nach dem Umzug? So meisterst du als Neuling den Schweizer Krankenkassen-Dschungel!
- vor 2 Tagen
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Die Schweiz lockt mit atemberaubenden Bergen, hohen Löhnen und tiefen Steuern. Doch kurz nach dem Auspacken der Umzugskartons wartet auf viele Expats und Einwanderer der erste grosse Schock: Das Schweizer Gesundheitssystem. Wer aus Ländern mit staatlicher Krankenversicherung kommt, versteht oft nur Bahnhof. Wir decken die wichtigsten Fakten auf und zeigen dir, wie du als Neuankömmling hunderte Franken sparen kannst, ganz legal und ohne Risiko.
Ein Umzug in die Schweiz ist ein Abenteuer. Man lernt neue Wörter wie «Gipfeli» oder «Velo», gewöhnt sich an pünktliche Züge und... an die Rechnungen der Krankenkasse. Denn anders als in Deutschland oder Österreich wird der Beitrag hierzulande nicht einfach diskret vom Lohn abgezogen. In der Schweiz ist die Krankenkasse Privatsache. Jeder muss sich selbst versichern und die monatlichen Prämien (so nennt man hier die Beiträge) reissen oft ein spürbares Loch ins Budget.
Damit du nicht direkt in die ersten Kostenfallen tappst, haben wir von der Redaktion uns durch die offiziellen Dokumente des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und der grossen Schweizer Versicherer gewühlt. Hier sind die harten Fakten, die jeder Neuling kennen muss.
Fakt 1: Der 90-Tage-Countdown (und warum Schummeln unmöglich ist)
Sobald du dich auf deiner neuen Wohngemeinde angemeldet hast, tickt die Uhr. Du hast exakt drei Monate (90 Tage) Zeit, um dir eine Krankenkasse zu suchen.
Die Falle: Viele denken sich: «Super, dann bin ich die ersten drei Monate gratis unterwegs!» Falsch gedacht! Das Schweizer Gesetz (KVG) ist hier gnadenlos. Sobald du eine Kasse wählst, musst du die Prämien rückwirkend ab deinem ersten Tag in der Schweiz bezahlen. Wartest du länger als drei Monate, wird dir von der Gemeinde zwangsweise eine Krankenkasse zugeteilt und das ist garantiert nicht die günstigste. Ausserdem drohen empfindliche Strafgebühren.
Unser Rat: Kümmere dich im ersten Monat darum. So hast du die Kosten im Griff und weisst, was am Ende des Monats auf deinem Konto übrig bleibt.
Fakt 2: Die Grundversicherung ist überall genau gleich
Das Schweizer System teilt sich in zwei Welten: Die obligatorische Grundversicherung und die freiwillige Zusatzversicherung.
Das Wichtigste zuerst: Die Leistungen der Grundversicherung sind gesetzlich vorgeschrieben und bei jeder Kasse exakt identisch. Egal, ob du bei der teuersten Luxus-Kasse oder beim günstigsten Online-Anbieter versichert bist, wenn du krank wirst, zahlt jede Kasse denselben Arzt, dasselbe Spital und dieselben Medikamente.
Warum gibt es dann Preisunterschiede von bis zu 50 Prozent für genau dasselbe Produkt? Das liegt an den Verwaltungskosten der Kassen und dem Durchschnittsalter ihrer Kunden.
Der Blick-Spartipp: Vergleiche die Prämien auf dem offiziellen Portal des Bundes (priminfo.admin.ch). Wähle für die Grundversicherung einfach den günstigsten Anbieter an deinem Wohnort. Für die Grundversicherung braucht niemand einen teuren Namen!
Fakt 3: Franchise und Selbstbehalt – Das Risiko-Roulette
Jetzt wird es kurz mathematisch, aber das ist der wichtigste Teil deines Budgets. In der Schweiz zahlst du nicht nur die monatliche Prämie, sondern beteiligst dich auch an den Arztkosten. Das geschieht über zwei Begriffe, die du dir unbedingt merken musst:
Die Franchise: Das ist der Betrag, den du pro Jahr komplett aus eigener Tasche zahlen musst, bevor die Krankenkasse überhaupt den ersten Rappen übernimmt. Für Erwachsene liegt die gesetzliche Mindestfranchise bei 300 Franken, die maximale bei 2500 Franken.
Der Selbstbehalt: Hast du deine Franchise aufgebraucht, zahlt die Kasse. Aber: Du musst von jeder weiteren Rechnung noch 10 Prozent selbst zahlen (bis maximal 700 Franken im Jahr).
Wie du entscheidest: Bist du jung, gesund und gehst quasi nie zum Arzt? Wähle die höchste Franchise (2500 Franken). Du zahlst den Arzt zwar selbst, sparst aber jeden Monat massiv bei den Prämien. Bist du chronisch krank, erwartest Nachwuchs oder gehst oft zum Arzt? Wähle die tiefste Franchise (300 Franken). Achtung: Alles dazwischen (z.B. 1000 oder 1500 Franken) ist reine Geldverschwendung! Die Mathematik zeigt eindeutig: Wähle immer nur das Extrem – entweder 300 oder 2500.
Fakt 4: Telmed, HMO oder freie Arztwahl?
Wenn du einfach so zum Hautarzt oder Spezialisten spazieren willst, zahlst du das Standardmodell (Freie Arztwahl), das ist am teuersten. Die meisten Schweizer wählen deshalb ein Sparmodell:
Telmed: Bevor du zum Arzt gehst, musst du eine Hotline anrufen oder eine App nutzen. Eine medizinische Fachperson berät dich und überweist dich erst dann zum Arzt. (Ersparnis: hoch)
Hausarzt-Modell: Du gehst immer zuerst zu einem festgelegten Hausarzt, der dich dann bei Bedarf an Spezialisten weiterleitet. (Ersparnis: mittel)
HMO: Du gehst in ein spezielles Gesundheitszentrum (HMO-Praxis), wo Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten. (Ersparnis: sehr hoch, aber oft nur in Städten verfügbar).
Fakt 5: Unfallversicherung? Weg damit!
Ein klassischer Anfängerfehler: Die Schweizer Grundversicherung deckt standardmässig Krankheit und Unfall ab. Aber: Wenn du in der Schweiz bei einem Arbeitgeber für mehr als 8 Stunden pro Woche angestellt bist, bist du automatisch über deinen Arbeitgeber gegen Berufs- UND Nichtberufsunfälle versichert (UVG).
Das bedeutet: Du musst die Unfalldeckung bei deiner privaten Krankenkasse zwingend ausschliessen! Ein kurzer Klick im Antragsformular genügt, und du sparst jeden Monat rund 7 Prozent der Prämie. Doppelversichert zu sein bringt dir im Schadensfall keinen einzigen Vorteil.
Fakt 6: Zusatzversicherungen sind Luxus (aber oft sinnvoll)
Willst du bei einem Spitalaufenthalt ein Einzelzimmer (Privatabteilung)? Brauchst du eine Deckung für alternative Medizin wie Osteopathie? Oder möchtest du, dass dein Fitnessabo oder die neue Brille mitfinanziert werden?
Dafür gibt es die freiwilligen Zusatzversicherungen. Wichtig: Im Gegensatz zur Grundversicherung dürfen die Kassen dich hier ablehnen! Deshalb ein goldener Tipp: Behalte deine Grundversicherung beim günstigsten Anbieter, aber schliesse die Zusatzversicherung dort ab, wo das Angebot am besten zu dir passt. Du darfst diese beiden Dinge problemlos bei zwei verschiedenen Krankenkassen haben.
Das Schweizer System ist auf den ersten Blick ein Dschungel. Doch wer die Regeln kennt, kann sich viel Ärger und noch mehr Geld sparen. Denk an die 90-Tage-Frist, schmeiss die Unfalldeckung raus (falls du arbeitest), wähle deine Franchise klug (300 oder 2500) und scheue dich nicht, ein Telmed- oder Hausarztmodell zu wählen.
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