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Umzug in die Schweiz: Was ist zu beachten? Unterschiede zu Deutschland

  • Heidi F.
  • 25. Nov. 2025
  • 5 Min. Lesezeit
Eltern und Kind tragen Umzugskarton in ein Haus

Von Krankenkasse bis Autoversicherung: Diese Unterschiede zum deutschen System kosten Nerven und bares Geld. Worauf Du als Auswanderer unbedingt achten solltest.

Viele Deutsche zieht es der Arbeit oder der Lebensqualität wegen in die Schweiz. Bei einem solchen Umzug solltest Du unbedingt die Unterschiede im Versicherungssystem kennen. Während in Deutschland manche Versicherungen vom Staat organisiert oder automatisch vom Lohn abgezogen werden, setzt die Schweiz stärker auf Eigenverantwortung. Was bedeutet das konkret? Hier ein Überblick über die wichtigsten Versicherungen von der Krankenkasse bis zur Autoversicherung und worauf Du als deutscher Expat achten musst.


Krankenversicherung: Privat statt staatlich, für jeden Pflicht

Frau hält sich an den Nasennebenhöhlen fest

In der Schweiz musst Du eine eigene Krankenversicherung abschliessen – und zwar innerhalb von drei Monaten nach Deinem Zuzug. Das gilt auch für mitauswandernde Familienmitglieder: Es gibt keine kostenlose Familienmitversicherung wie in der deutschen gesetzlichen Krankenkasse, jeder, auch Kinder, braucht eine eigene Police. Die Krankenversicherung ist zwar obligatorisch, wird aber von privaten Krankenkassen angeboten, Arbeitgeberzuschüsse wie in Deutschland entfallen: In der Schweiz zahlst Du die Prämien komplett selbst.

Die Grundversicherung deckt überall den gleichen Leistungsumfang ab (ärztliche Behandlungen, Medikamente, Spitalaufenthalte, Schwangerschaft etc.), vorgeschrieben durch das Krankenversicherungsgesetz. Trotz Einheitsleistungen unterscheiden sich die Prämien je nach Wohnort, Versicherer, Franchise und Modell. Anders als in Deutschland richtet sich die Prämienhöhe nicht nach dem Einkommen, sondern z.B. nach der gewählten Franchise (jährlicher Selbstbehalt). Als Erwachsener kannst Du eine Franchise zwischen 300 und 2.500 CHF wählen; je höher die Franchise, desto tiefer die Monatsprämie. Allerdings musst Du im Ernstfall die gewählte Franchise plus maximal 700 CHF pro Jahr als Kostenbeteiligung selbst tragen (10 % Selbstbehalt auf Rechnungen nach Erreichen der Franchise, gedeckelt bei 700 CHF). Zum Vergleich: In der deutschen GKV gibt es keinen so hohen Selbstbehalt, dort werden nur kleine Zuzahlungen fällig.

Die Schweizer Krankenkassen stellen monatlich Rechnungen, die Du als Versicherte*r zahlst. Tipp: Plane die Krankenkassenkosten fest im Budget ein. Eine durchschnittliche Prämie für einen Erwachsenen liegt 2025/26 je nach Kanton oft bei 350–450 CHF pro Monat. Für Kinder zahlst Du ermässigte Beiträge (2026 bspw. ~122 CHF/Monat im Schnitt). Verdienst Du wenig, kannst Du beim Kanton eine Prämienverbilligung beantragen. Und nicht vergessen: Die Anmeldung bei einer Schweizer Kasse muss spätestens drei Monate nach der Einreise erfolgen, ansonsten wirst Du rückwirkend zwangsversichert, eventuell mit Prämiennachzahlung. Wenn Du aus Deutschland kommst, solltest Du Dich also sofort um eine Schweizer Krankenversicherung kümmern.


Unfallversicherung

Mann mit gebrochenem Arm

In Deutschland übernimmt die Krankenversicherung auch Alltagsunfälle, und der Arbeitgeber versichert Berufsunfälle separat. In der Schweiz gibt es eine Aufteilung: Wenn Du mehr als 8 Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber angestellt bist, bist Du automatisch über den Betrieb unfallversichert (gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle). Dafür wird ein kleiner Lohnbeitrag abgezogen. Arbeitest Du weniger oder gar nicht, musst Du Unfälle in der Krankenkasse mitversichern (oder eine separate Unfallversicherung abschliessen). Achte daher bei Vertragsabschluss Deiner Krankenkasse darauf, ob die Unfalldeckung eingeschlossen ist. Übrigens sind Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung sehr grosszügig – ohne Selbstbehalt und inklusive Lohnausfallentschädigung im Ernstfall.


Privathaftpflicht: Freiwillig, aber fast ein Muss

Die Privathaftpflichtversicherung schützt Dich vor finanziellen Forderungen, wenn Du versehentlich jemandem einen Schaden zufügst, zum Beispiel wenn Du als Mieter den Parkettboden beschädigst oder beim Skifahren jemanden verletzt. In Deutschland wie in der Schweiz ist diese Versicherung nicht vom Staat vorgeschrieben. Doch in der Schweiz ist sie faktisch unerlässlich: Vermieter verlangen bei neuen Mietern oft den Nachweis einer Haftpflichtversicherung, obwohl sie gesetzlich freiwillig ist. Gerade wenn Du als Deutsche*r neu in der Schweiz eine Wohnung suchst, gehört die Privathaftpflicht daher in Deine Grundausstattung. In einigen Kantonen ist sie für Hundehalter sogar obligatorisch vorgeschrieben. Die Deckungssummen sind hoch (üblich sind 3 bis 10+ Millionen CHF) und die Jahresprämien vergleichsweise niedrig – ein lohnender Schutz vor dem finanziellen Ruin bei einem Missgeschick.


Hausratversicherung

Familie ist mit 2 Kindern in der Küche

Oft wird die Privathaftpflicht in der Schweiz im Paket mit einer Hausratversicherung angeboten. Die Hausratversicherung deckt Schäden am eigenen Inventar – also Möbel, elektronische Geräte, Kleidung, Sportausrüstung – z.B. durch Feuer, Leitungswasser, Sturm oder Einbruchdiebstahl. Sie greift dagegen nicht, wenn Du Dritten einen Schaden zufügst; dafür ist die Haftpflicht zuständig. In beiden Ländern sind Hausrat- und Haftpflichtversicherung freiwillig. Doch angesichts hoher Lebenshaltungskosten in der Schweiz solltest Du Deinen Besitz absichern: Ein Wohnungseinbruch oder ein Wohnungsbrand kann schnell sehr teuer werden. Für Mieter ist zudem interessant, dass Mieterschäden (Beschädigungen der gemieteten Wohnung) in der Schweiz meist von der Privathaftpflicht abgedeckt werden – das verhindert Streitigkeiten bei Auszug. Unser Rat: Schliess am besten beide Policen ab. Viele Versicherer bieten Kombirabatte, Du kannst sie aber auch bei verschiedenen Anbietern abschliessen.


Autoversicherung: Schweizer Nummernschilder, Schweizer Police

Autofahrer hinterm Steuer

Wenn Du mit Deinem eigenen Auto in die Schweiz übersiedelst, musst Du Dein Fahrzeug innerhalb von 12 Monaten in der Schweiz zulassen (bei Neuwagen sogar binnen 1 Monat). Das bedeutet: Du brauchst ein Schweizer Nummernschild und natürlich eine Schweizer Autoversicherung. Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist wie in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben, um andere Verkehrsteilnehmer bei Unfall zu schützen. Ohne Haftpflicht gibt es keine Immatrikulation. Wichtig: Die ausländische Versicherung gilt nach fester Wohnsitznahme in der Schweiz nicht mehr dauerhaft; Du kommst um einen Wechsel nicht herum. Plane also frühzeitig, Dein Auto beim kantonalen Strassenverkehrsamt vorzuführen und eine Haftpflichtpolice abzuschliessen.

Die Leistungen der Kfz-Haftpflicht sind ähnlich wie in Deutschland: Sie deckt Personen- und Sachschäden gegenüber Dritten. Unterschiede gibt es eher bei den Kosten und Bonus-Malus-Systemen. Die Prämien in der Schweiz können höher ausfallen – vergleichen lohnt sich. Deine deutsche Schadenfreiheitsklasse wird nicht automatisch übernommen, aber viele Schweizer Versicherer gewähren auf Nachfrage einen Rabatt, wenn Du unfallfreie Jahre nachweisen kannst. Zusätzlich kannst Du wie gewohnt eine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung abschliessen, um Dein eigenes Auto gegen Diebstahl, Kollision, Wildschäden etc. zu versichern. Das ist freiwillig, aber gerade bei neueren oder teuren Fahrzeugen empfehlenswert.

Noch ein Hinweis zur Autonummer und Führerschein: Als Neuzuzüger musst Du Deinen deutschen Führerschein innerhalb eines Jahres in einen Schweizer Führerschein umtauschen. Das geht meist problemlos beim Strassenverkehrsamt, oft ohne Prüfung. Das Nummernschild wechselt mit der Versicherung – Du erhältst von der Versicherung eine Bestätigung (Versicherungsnachweis), mit der das Auto in der Schweiz angemeldet wird. Insgesamt unterscheidet sich die Autoversicherung selbst nicht dramatisch vom deutschen Pendant, aber ohne Schweizer Versicherungsschutz darfst Du langfristig nicht auf Schweizer Strassen unterwegs sein.


Gut versichert in der neuen Heimat

Der Schritt von Deutschland in die Schweiz will gut vorbereitet sein – gerade beim Thema Versicherungen. Wichtigster Punkt ist die Krankenversicherung, die in der Schweiz privat organisiert ist und für jede Person separat abgeschlossen werden muss. Dazu kommen sinnvolle Policen wie Privathaftpflicht und Hausrat, die zwar freiwillig, aber dringend angeraten sind, nicht zuletzt, weil sie oft von Vermietern erwartet werden. Wenn Du ein Auto mitbringst, solltest Du rechtzeitig die Kfz-Versicherung und Umschreibung organisieren, um weiterhin versichert und legal unterwegs zu sein.

Positiv für deutsche Expats: Die Schweiz bietet ein umfassendes Netz an Sozial- und Privatversicherungen. Zwar musst Du Dich um vieles selbst kümmern, doch mit dem richtigen Versicherungsschutz gelingt der Neustart im Alpenland ohne böses Erwachen. Informiere Dich am besten frühzeitig bei offiziellen Stellen und vergleiche Offerten der Versicherer – so bist Du rundum abgesichert und kannst das Abenteuer Schweiz sorgenfrei geniessen.



 
 
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